LeserInnenbrief der IG Kultur Steiermark zum Artikel “So wird Steuergeld verpulvert!” über die Vergabe von Kulturfördergeldern des Landes Steiermark vom 1. September 2010 in der Kronen Zeitung
Sehr geehrte Damen und Herren!
Ohne Überraschung, dafür mit einer Mischung aus Entsetzen und Belustigung haben wir den ganzseitigen Artikel “So wird Steuergeld verpulvert!” auf S.13 Ihrer Ausgabe vom 1. September zur Kenntnis genommen.
Sie kritisieren dort die Vergabe von Kulturfördergeldern des Landes Steiermark und der Stadt Graz an Projekte der Kulturvereine “Baodo im Nil”, “Jukus” und “Chiala afriquas”. Warum Sie, da nun “Sparen” “im Land angesagt” sei, wie Sie schreiben, gerade diesen Projekten die Förderung nicht gönnen, wird bedauerlicher Weise nicht ersichtlich, da der Artikel keine Argumente, sondern bloß polemische Floskeln beinhaltet.
Daß die Arbeit sämticher Kulturvereine von Fördergeldern abhängt, wissen Sie so gut wie wir – es kann sich also um keinen grundsätzlichen Einwand gegen Kulturförderung durch die öffentliche Hand handeln, es sei denn, Sie wollten die steirischen Kulturvereine insgesamt abschaffen.
Den unwahrscheinlichen Fall, daß Sie die drei Vereine bloß angreifen, weil sie ihr Angebot u.a. an Menschen nicht-weißer Hautfarbe und nicht-deutscher Muttersprache richten, schließen wir aus: Nicht auszudenken, daß die auflagenstärkste Zeitung Österreichs billige fremdenfeindliche Hetze betriebe, indem sie in wirtschaftlich schlechten Zeiten Menschen und Kulturvereine gegeneinander ausspielte…
Bleibt zu mutmaßen: Es geht Ihnen um mehr Budgetdisziplin im Kulturbereich, und daß sie von den hunderten Vereinen der steirischen Kulturszene nur solche als Beispiel anführen, die sich um Integration und migrantische Kulturarbeit bemühen, ist schierer Zufall.
In welchem letzteren Fall allerdings unverständlich bleibt, wie sich z.B. die Landesförderung für das “Krone Ritterfest” 2008 (lt. Förderbericht 30.000 €, also erheblich mehr, als jedes der von Ihnen angegriffenen Projekte erhalten hat) mit solcher Budgetdisziplin vereinbaren lässt; zumal ja die “Kronen Zeitung” wirtschaftlich deutlich besser dastehen dürfte als alle steirischen Kulturvereine…
Mit so freundlichen wie befremdeten Grüssen,
der Vorstand der IG Kultur Steiermark
Anita Hofer, Caroline Oswald-Fleck, Eva Ursprung, Joachim Hainzl, Josef Obermoser, Stefan Schmitzer


Liebe Veronika Dreier, lieber Joseph Dim, lieber Ali Özbas, lieber Kamdem Mou Poh à Hom!
Lasst mich diesen kurzen Brief nutzen, um die Angriffe und Unterstellungen, die in der Ausgabe der “Kronen Zeitung” vom 1. Sept. 2010 gegen Eure ehrenwerten Initativen geführt werden aufs Deutlichste zurückweisen. Aus den Worten des Redakteurs wird klar, dass hier jemand spricht, der nicht die Spur einer Ahnung davon hat, welche Arbeit für die Grazer Gesellschaft ihr leistet. Scheinbar gibt es in der Krone keine Vorstellung von den tatsächlichen, täglichen Herausforderungen und Problemen, mit denen Flüchtlinge und ZuwanderInnen in unserer Stadt zu tun haben. Welche Kraft das Überwinden der Hürden und beseitigen der Stolpersteine kostet, welche die Mehrheitsgesellschaft den MigrantInnen in den Weg legt. Und wie wichtig die moralische Unterstützung dabei ist! Und gerade im Bereich Kultur! Wo es sehr kurzsichtig ist zu denken, dass hier gespart werden könnte! Kulturelle Betätigung ist ein (Über)Lebensmittel! In das Nervenkostüm der durch die Lebensumstände gebeutelten MigrantInnen, um deren primär seelisches und nicht selten auch physisches Wohl Ihr Euch kümmert, kann sich ein Krone-Redakteur ganz offensichtlich nicht ansatzweise hineindenken! Ich empfehle der betreffenden Redaktion 14 Tage Mitarbeit in einer Eurer Einrichtungen. Und zwar MITARBEIT und ANPACKEN. Das wäre dann auch eine gute Ausgangsbasis für einen recherchierten Artikel. Ich kann nicht anders als zu denken, dass sich die Einstellung des Redakteurs dadurch drastisch ändern würde und es ihm hochnotpeinlich wäre, was er am 1.9.2010 geschrieben hat. Und das wäre ganz zurecht so.
Mit kollegialer Hochachtung aus der Volksgartenstraße
Anton Lederer